5 Gründe, warum die Nutzungsklassen bei Laminat Unsinn sind

5 Gründe, warum die Nutzungsklassen bei Laminat Unsinn sind

Wer auf der Suche nach einem neuen Laminatboden ist, stolpert mit hoher Wahrscheinlichkeit früher oder später über die Nutzungsklasse. Häufig wird diese herangezogen, um die Eignung und Qualität eines Bodenbelages zu bewerten. In der Praxis sagt die Nutzungsklasse darüber aber sehr wenig aus. In diesem Beitrag erklären wir, warum die Nutzungsklasse mit Vorsicht zu genießen ist!

Die Nutzungsklassen bei Laminat erklärt

Damit Kunden beim Kauf eines neuen Laminatbodens dessen Qualität und Robustheit beurteilen können wurde eine unabhängige Norm in Form von Nutzungsklassen eingeführt. Die sogenannte DIN Norm 13329 regelt im Detail, welchen Belastungen ein Boden standhalten muss, um eine jeweilige Nutzungsklasse zu erreichen. Dabei wird unter anderem die Widerstandsfähigkeit gegen Abrieb, Schläge, Flecken, Stuhlrollen und mehr getestet. 

Ingesamt gibt es 7 verschiedene Nutzungsklasssen bei Laminat: 21, 22, 23, 31, 32,33 und 34. Die erste Ziffer der Nutzungsklasse gibt an, ob der Boden für die private (2) oder gewerbliche (3) Nutzung geeignet ist. Bei einer gewerblichen Nutzung wird von erhöhter Beanspruchung ausgegangen. Die zweite Ziffer beschreibt, wie intensiv der Raum, in dem der Bodenbelag verlegt werden soll, genutzt wird: Gering (1), mittel (2), stark (3) oder sehr stark (4).

Nutzungsklasse212223
Einsatzgebietprivatprivatprivat
Nutzungsintensitätgeringmittelstark
RäumeGästezimmer, SchlafzimmerWohnzimmer, KinderzimmerFlur, Küche
Nutzungsklasse31323334
Einsatzgebietgewerblichgewerblichgewerblichgewerblich
Nutzungsintensitätgeringmittelstarksehr stark
Räumekleine Büros, HotelzimmerBüros, CafésVerkaufsräume, FlureIndustrie

Die Tabellen geben eine Übersicht über die Nutzungsklassen, wie sie die DIN Norm vorgibt. Allerdings machen die Nutzungsklassen als Orientierungshilfe beim Laminat-Kauf wenig Sinn. Im Folgenden erklären wir warum!

Wieso die Nutzungsklassen von Laminat in die Irre führen

1. Es werden nur noch gewerbliche Nutzungsklassen eingesetzt

In der Praxis macht die Unterteilung von privaten und gewerblichen Nutzungsklassen bei Laminat keinen Sinn mehr. Denn so gut wie alle Laminatböden erfüllen heute die Nutzungsklasse 23 oder höher. Die Nutzungsklassen 21 und 22 gibt es auf dem Markt praktisch nicht mehr. Zusätzlich sind Laminatböden mit der Klasse 23 auch fast immer für die gewerbliche Nutzung klassifiziert. Dies ist dann durch doppelte Nutzungsklassen wie 23/31 oder 23/32 gekennzeichnet. Als Verbraucher im privaten Bereich kann man mit den Nutzungsklassen daher wenig anfangen.

2. Die Nutzungsklassen versprechen zu viel

Selbst der günstigste Laminatboden für 3-4 Euro pro Quadratmeter besitzt meist bereits die Nutzungsklasse 23 oder höher. Laut der Tabelle mit den Nutzungsklassen wäre dieses Laminat für stark beanspruchte Räume wie Flure oder Küchen geeignet. In der Praxis ist das aber definitiv nicht der Fall. Derart günstiges Laminat hält auf Dauer den hohen Belastungen in solchen Räumen nicht stand. Auch berücksichtigt die Nutzungsklasse nicht ausreichend, dass der Laminatboden in Räumen wie Flur und Küche meist mehr Feuchtigkeit ausgesetzt ist, die dem Laminat auf Dauer sehr schnell zusetzt. In der Praxis sollte für Küche oder Flur eine Nutzungsklasse von 32 oder höher verwendet werden, oder lieber auf Vinylboden gesetzt werden.

3. Die Nutzungsklassen unterschiedlicher Bodenbeläge lassen sich nicht vergleichen

Wer zwischen zwei unterschiedlichen Arten von Bodenbelägen wie beispielsweise Laminat und Vinyl schwankt, zieht beim Vergleich von zwei Böden möglicherweise die jeweilige Nutzungsklasse heran. Das erscheint auch logisch, weil für Vinylböden die gleichen Nutzungsklassen existieren wie für Laminat. Allerdings lässt sich die Qualität und Robustheit nicht anhand der Nutzungsklasse vergleichen! Ein Vinyl mit Klasse 22 ist nicht weniger robust als ein Laminat mit Klasse 23. Es kommt immer auf die konkrete Belastung an. So ist das Laminat weniger empfindlich gegen Druck, dafür ist das Vinyl viel unempflicher gegen Feuchtigkeit oder Flecken. Laminat und Vinyl anhand der Nutzungsklasse zu vergleichen, ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

4. Die Nutzungsklasse täuscht über die Garantie im gewerblichen Bereich hinweg

Viele Hersteller geben auf ihre Bodenbeläge mit gewerblichen Nutzungsklassen eine lange Garantie von 15 Jahren oder länger.. Allerdings gelten diese Garantiebedingungen oft nur für eine Nutzung im Wohnbereich und gar nicht für die gewerbliche Nutzung!

Nutzungsklassen und Garantie
Ausschnitt aus einem Datenblatt eines Laminats von Egger. Quelle: www.egger.com

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem technisches Datenblatt eines Laminats, für das der Hersteller mit einer Garantie von 15 Jahren wirbt. Trotz der gewerblichen Nutzungsklasse 31 gibt der Hersteller die volle Garantie von 15 Jahren nur auf die Nutzung im Wohnbereich. Bei einer gewerblichen Nutzung verkürzt sich die Garantie auf 5 Jahre.

5. Die Pflege ist bei Laminat wichtiger als die Nutzungsklasse 

Für die Langlebigkeit eines Laminatbodens ist die Pflege deutlich entscheidender als die Nutzungsklasse. Eine hohe Nutzungsklasse verleitet möglicherweise dazu, die Pflege zu vernachlässigen. Für die Langlebigkeit des Laminatbodens ist es aber ganz entscheidend den Boden häufig zu saugen, sauber und trocken zu halten. Dann kann auch ein Bodenbelag mit niedrigerer Nutzungsklasse lange halten.

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